Qualitätssicherung: Argumente dafür und Voraussetzungen

Die wahrscheinlich wichtigste Voraussetzung für die Einführung von QS-Standards in einem Unternehmen: Das Bewusstsein, dass Qualitätssicherung und Testen notwendig oder zumindest ziemlich sinnvoll sind! Wer sich da noch nicht so sicher ist, kann sich ja noch einmal meine Argumente anschauen:

  • Wer nicht oder nur sporadisch testet, findet Fehler nur zufällig und meist zu spät.
  • Spät gefundene Fehler gefährden den Go-Live-Termin – Fehlerbehebung kostet Zeit.
  • Redakteure finden Fehler erst beim Einpflegen kurz vor Go-Live, oder sogar erst im Live-Betrieb.
  • Noch ärgerlicher ist, wenn der Kunde die Fehler selbst findet.
  • Der Aufwand erhöht sich: für den Redakteur, für den PM, der das dem Kunden beibringen muss, und es gibt nachträgliche Entwicklungsaufwände fürs Bugfixing.

  • Je nach Art und Einsatz der Anwendung können Fehler auch finanzielle Ausfälle beim Kunden oder Datenverlust zur Folge haben.
  • Testing bedeutet zunächst Aufwand, aber langfristig werden sich die Gesamtkosten reduzieren.

Das alles kann man nicht erwarten, wenn man zum ersten Mal eine strukturierte Qualitätssicherung durchführen will. Mit einem eingespielten und auf die Bedürfnisse (Unternehmen, Projekt) angepassten Prozess sollten die Vorteile aber zu spüren sein.

Was braucht man noch, wenn man strukturiert testen will? Um alles unter einen Hut zu bringen, braucht man einen Verantwortlichen. In Firmen (oder Teams) in denen die Qualitätssicherung nicht in Prozessen festgelegt oder zumindest als ungeschriebene Gewohnheit vorhanden ist, sollte der Projektleiter der Verantwortliche für das Thema sein – zumindest gilt das in kleinen Teams, in denen es keinen separaten Test-Manager oder ähnliches gibt.

Damit eine strukturierte Qualitätssicherung in einem Web-Projekt stattfinden kann, muss der Projektleiter die Aufgaben zur Qualitätssicherung in der Projektplanung berücksichtigen. Das Testen sollte als reguläres Arbeitspaket (neben bspw. Konzeption und Programmierung) behandelt und auch so im Projektplan vorgesehen werden. Nur so ist gewährleistet, dass die Maßnahmen nicht aufgrund von Zeitdruck unter den Tisch fallen oder am Ende “vergessen” werden.

Die Qualitätssicherung sollte keine Geheimaktion des Projektleiters sein. Wird sie zum ersten Mal in einem Unternehmen durchgeführt, sollten alle Projektbeteiligten – Vorgesetzte natürlich auch – in das Vorhaben mit einbezogen werden. Das gemeinsame Ziel ist, am Ende eine möglichst fehlerarme Website abzuliefern und zusammen für die Qualität zu arbeiten. Es darf keine Missstimmung im Team auftreten, zum Beispiel zwischen Testern und Entwicklern, die sich auf den Schlips getreten fühlen, wenn ihre Fehler gefunden werden. Es kann hilfreich sein, sich beim Vorgesetzten ein kleines Budget für die Begleitung und Dokumentation der Einführung des einheitlichen Vorgehens zu sichern.


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